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Klassifizierungs-System der Reichswehr und Wehrmacht

 

 

 

 

 

Bereits in den frühen 1920er Jahren entwickelte die Reichswehr ein Klassifizierungssystem für die zahlreichen Typen von Bespannfahrzeugen. Dieses System wurde laufend ausgebaut und den Erfordernissen angepasst. Es hatte Bestand bis zum Ende des 2. Weltkrieges.
In den späten 1920er Jahren begann die Reichswehr mit der Entwicklung spezieller militärischer Personenkraftwagen und Lastkraftwagen. Nachdem brauchbare Fahrgestelle zur Verfügung standen, wurde eine große Zahl verschiedener Sonderaufbauten für die verschiedensten Verwendungszwecke entwickelt. Diese Vielzahl an Sonderaufbauten machte auch bei den Kraftfahrzeugen ein System zur eindeutigen Bezeichnung notwendig. Es entstand ein Kfz. Nummern System, das in Teilen bis zum Ende des 2. Weltkriegs bestand haben sollte.
Die Wehrmacht übernahm dieses System und baute es weiter aus. Zunächst gab es nur Nummern für Kraftfahrzeuge (Kfz.) und Anhänger (Ah.). Ab etwa 1935 wurden auch Nummern für Sonderkraftfahrzeuge (Sd. Kfz.) und Sonderanhänger (Sd. Ah.) vergeben. Eine gewisse Ausnahme stellen die noch aus dem 1. Weltkrieg stammenden Sd. Kfz. 1, 2 und 3 der Reichswehr dar. Wann deren Sd. Kfz. Nummern vergeben wurden ist nicht ganz klar. Offensichtlich hatten sie aber auf das neue System keinen Einfluss, da wohl auch die Verschrottung der wenigen vorhandenen Fahrzeuge Anfang der 1930er Jahre schon beschlossene Sache war.
Von Anfang an gab es Kfz. und Anhänger, die keine Nummern erhalten haben, sondern nur eine Kfz. Bezeichnung. Die vergebenen Kfz. Nummern gaben in der Regel auch keinen Hinweis auf das Fabrikat und den Typ des Kraftfahrzeugs. Fahrgestelle, die nicht speziell vom Heereswaffenamt entwickelt worden waren,  erhielten als Kennzeichnung das zusätzliche Kürzel (o), das für handelsüblich stand. Eingezogene und erbeutete Kraftfahrzeuge, die nicht den Klassifizierungskriterien entsprachen, wurden oftmals dem Verwendungszweck angepasst. Solche Fahrzeuge erhielten zumeist die zusätzliche Kennzeichnung (Behelf).
Die zugewiesenen Nummern waren nach Kfz. Klasse in Nummernblöcke unterteilt. Die ursprünglich vorgesehenen Blöcke waren in Zehnerschritten klar gegeneinander abgegrenzt. Auch war man darauf bedacht, dass keine Nummer sowohl für Kfz. als auch für Sd. Kfz. vergeben wurden. So hatten die in den späten 1930er Jahren vergebenen Sd. Kfz. Nummern der ungepanzerten Sonderkraftfahrzeuge im Nummernblock 1 bis 10 keine Überschneidungen mit den Kfz. Nummern der l. und m. gl. Pkw. (Bsp. Kfz. 1, 2, 3, 4; Sd. Kfz. 5, 6, 7, 8 etc.). Bei später vergebenen Nummern wurde darauf allerdings keine Rücksicht mehr genommen. So gab es mit den im Kriege eingeführten Sonderkraftfahrzeugen Überschneidungen (Bsp. Kfz. 2 & Sd. Kfz. 2, Kfz. 3 & Sd. Kfz. 3). Auch wurden Nummern an Kraftfahrzeuge in nicht passenden Nummernblöcken vergeben (Bsp. Kfz. 100). Etwas Verwirrung schaffen Kraftfahrzeug, die ursprünglich auf einem Fahrgestell, beispielsweise einem m. gl. Lkw. (o), entwickelt wurden, deren Serienfertigung dann aber auf einem anderen Fahrgestell, beispielsweise einem l. gl. Lkw. (o), erfolgte (Bsp. Kfz. 76, 77). In solchen Fällen wurden die Kfz. Nummern nicht dem neuen Fahrgestell angepasst.
Beim Heer wurden bis etwa 1942 noch neue Kfz. Nummern vergeben, wobei aber bereits ab 1941 klare Tendenzen zur Vereinfachung dieses komplexe Systems erkennbar sind. Diese Entwicklung ging mit der zunehmenden Vereinfachung bei der Produktion von Kraftfahrzeugen einher. So wurden bei einigen Kfz. Gruppen die wichtigsten Klassifizierungskriterien in die Bezeichnung übernommen. Bei Lastkraftwagen war es die Nutzlast und bei Kraftomnibussen die Anzahl der Sitzplätze. Bei den Radschleppern ersetzte die PS Leistung die Anhängelast als primäres Klassifizierungskriterium. Ab etwa November 1943 wurden die meisten Kfz. Nummern gestrichen und durch einfache Bezeichnungen ersetzt. So wurde aus einem leichten geländegängigen Personenkraftwagen (Kfz. 1) mit Fahrgestell des leichten Personenkraftwagens Typ K 1 ein leichter Personenkraftwagen, gl (4-sitzig), aus einem Sammlerkraftwagen (Kfz. 42) mit Fahrgestell des m. Lkw. (o) wurde ein Lastkraftwagen 3t, geschlossen als Sammlerkraftwagen. Im Dezember 1943 wurde die Größeneinteilung und Benennung der Kraftfahrzeuge durch das Oberkommando der Wehrmacht (O.K.W./Ch WKW, 13. Dezember 43 Abt. Mot./Ent.) neu geregelt. Diese Neuregelung scheint aber nur teilweise umgesetzt worden zu sein. So gibt es zum Teil deutliche Abweichungen in den 1944 und 1945 erschienenen Kriegsstärkenachweisungen. Anstelle von fünf Größeneinteilungen bei den Pkw wurden weiterhin nur die Bezeichnungen leicht, mittel und schwer verwendet. Auch die Hubraumangaben der Krafträder weicht in den KStN ab. Die Streichung der Sd. Kfz. Nummern der ungepanzerten Sonderkraftfahrzeuge wurde ebenfalls nicht umgesetzt, sie finden sich noch in KStN von 1945.
Für Sonderkraftfahrzeuge und Sonderanhänger, die das Stadium der Serienfertigung erreichten, wurden weiterhin Nummern vergeben (Ausnahme s.W.S.). Auch scheint die Luftwaffe ihr komplexes Kfz. Nummern System bis Kriegsende weitergeführt zu haben. Lediglich die bei der Luftwaffe und der Feuerschutzpolizei unterschiedlichen Bezeichnungen für Feuerlöschfahrzeuge wurden Anfang 1943 einheitlich neu geregelt. Des Weiteren bekamen die für die Ende 1944 aufgestellten Fernraketen Einheiten vorgesehenen Kraftfahrzeuge und Anhänger Fahrzeug-Position Nummern zugewiesen.

 

 

 

 

 

bespannte Fahrzeuge

 

 

 

 

 

Kfz. ohne Nummern

 

 

Kfz. mit Nummern

 

 

 

 

 

Sd. Kfz. ohne Nummern

 

 

Sd. Kfz. mit Nummern

 

 

 

 

 

vereinfachtes System ab 1943

 

 

 

 

 

Ah. und Sd. Ah. mit Nummern und Ah. ohne Nummern

 

 

 

 

 

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